Montag, 2. Mai 2016

Tag 19: Von der Sandwood Bay zum Cape Wrath (12,9km)

Jetzt habe ich es geschafft! Ich bin mittlerweile in Durness (etwas östlich und südlich von Cape Wrath und stopfe mir hier bereits seit einem Tag den Bauch mit Süßigkeiten und den Kopf mit YouTube-Videos voll. Belohne mich also. 
Ich bin sehr zufrieden, den Cape Wrath Trail geschafft zu haben und gleichzeitig ist es noch nicht so wirklich in meinem Kopf angekommen. 

Der letzte Tag war zu Beginn sehr frustrierend, da ich nach ca. 20 Minuten auf zwei Wanderinnen stieß, die genau dasselbe Ziel hatten wie ich. (Viel mehr stand, muss man sagen, auch nicht zur Auswahl.) Das war insofern frustrierend, als dass ich mich beeilen musste (weil ich unbedingt den Bus, der einmal täglich vom Kap abfährt, bekommen wollte) und die beiden genau so schnell wanderten wie ich, wenn ich mich beeile. Ich wollte diesen wichtigen letzten Tag einfach unbedingt allein erleben und mich nicht durch andere Menschen ablenken lassen. Also beeilte ich mich noch mehr und hetzte Berge und Hügel hinauf und hatte die beiden schließlich irgendwann hinter mir gelassen. Ich gönnte mir also zufrieden eine halbe Minute Pause am Schild, das vor der Möglichkeit militärischer Aktivitäten im Areal warnte, nur um die beiden, als ich losgehen wollte, über den Hügelkamm hinter mir kommen zu sehen.
Ich eilte also weiter. Ich könnte es mir — wegen des Busses — auch nicht erlauben, die beiden vorbeizulassen und ein wenig zu warten ... dachte ich. Bis ich nach einem längeren Aufstieg auf die Uhr blickte und feststellte, dass mir viel mehr Zeit blieb, als gedacht. So gönnte ich mir also endlich die letzte Mittagspause der Wanderung, den letzten Müsliriegel und ein paar Nüsse. Beobachtete, wie die kleinen Figuren weiter unten kleiner und kleiner wurden und ich endlich für mich war. 
Zwei Stunden später war ich am Kap, zweieinhalb Stunden später saß ich glücklich im absurden Ozone Café am Kap, dass sich jeder Vorstellung von rentablen Geschäften zum Trotz an diesem einsamem, nicht mit privaten Fahrzeugen erreichbaren Ort gegen den Sturm stemmt. Es gab selbstgemachten Kuchen und Tee. Und Sandwiches. Und dann noch ein Stück Kuchen. 
Die Fahrt im Bus und mit einem kleinen Boot, das unserem verplanten Segelverein alle Ehre gemacht hätte, sich selbst aber als Fähre bezeichnet, ergaben die Möglichkeit, apathisch in die Landschaft zu starren und nicht wirklich wahrhaben zu können, dass man gerade nicht laufen muss. 
Die beiden Frauen saßen auch im Bus und es stellte sich heraus, dass sie strecken von bis zu 38 Meilen am Tag zurückgelegt hatten und sonst eher Ultramarathon mit um die 70 Meilen am Stück machten. Ich hätte die nie abhängen können. 
Ich kann gar nichts Zusammenfassendes, Wichtiges über die ganze Wanderung sagen: was für ein Erlebnis sie war oder wie viel ich über mich gelernt habe. Das kann ich alles noch nicht richtig einschätzen. Dafür brauche ich bestimmt noch etwas Zeit. Darum beende ich nun fürs Erste die täglichen Berichte, zufrieden, es geschafft zu haben und zufrieden, dass die Einträge gelesen wurden! :)
Bis bald und danke! 

Freitag, 29. April 2016

TAG 18: Von Rhiconich zur Sandwood Bay (16,2km)

Die Sandwood Bay ist umwerfend! Innerhalb der ganzen kalten, tiefen, schwarzen Lochs, der kolossalen Berge und matschigen Moore, die Schottland sonst zu bieten hat, sticht dieser weite, ferne Strand deutlich heraus. Ich fühle mich hier auf eigenartige Weise zugleich wohl und unwohl. Man kann so weit sehen, das Meer riechen, den Wind im Gesicht spüren. Aber zur gleichen Zeit ist das Meer auch bedrohlich und ich habe schon mehrmals die irrationale Angst über mich kommen gespürt, dass das es heute Nacht ein paar Meter höher steigt als sonst — was für mich im kleinen Zelt auf der Düne problematisch würde.
Das ist sowieso immer so eine Sache mit den guten Plätzen zum Wilcampen: ich will natürlich einerseits unbedingt einem Stelle mit spektakulärer Aussicht auf halb Schottland. (Irgendwie achte ich dabei, ist mir aufgefallen, manchmal auch darauf, dass das Zelt an der Stelle in der Landschaft auch gut und stimmig aussieht — als ob ich davon noch irgendetwas mitbekäme!) Aber andererseits möchte ich natürlich auch vor Wind und Regen geschützt sein. Was meistens eine gute Aussicht ausschließt.
Heute fiel die Entscheidung definitiv für Aussicht. Mal sehen, ob das klug war. 
Ich kann den Leuchtturm am Cape Wrath schon sehen (der ja mein Ziel ist), wie er durch die Dunkelheit tiefer, nasser Regenwolken blitzt. 
Wie gesagt: mal sehen, ob das klug war. :)

(Ich habe eigentlich sehr darauf gehofft, heute klaren Himmel zu haben um, soweit ab von Zivilisation und vor allem mit wenigen den Blick versperrenden Bergen, vielleicht nachts so viele Sterne zu sehen, dass die Milchstraße erkennbar wird. Im Moment ist der Himmel voller Wolken jeder Art [siehe die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär], aber vielleicht ändert sich das ja noch.)

Donnerstag, 28. April 2016

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